felljacke_a-1„Ach du liebes Bisschen! Wie hat er denn das geschafft?“ Koksi besah sich die Bescherung. Bruno schaute ihm über die Schulter. „Bestimmt bei der Arbeit. Der große Typ, der hier wohnt, ist ja praktisch immer am Arbeiten, wenn er nicht gerade isst oder schnarcht.“
Henk kam dazu und zeigte auf das Loch in der Jacke: „Das hatte böse Mecker für ihn gegeben. Sybille war schon ganz grün angelaufen.“
„Oje. Und jetzt liegt die schöne Jacke hier, und draußen ist es so kalt.“ Koksi zog Henk am Hemd. „Du, kannst du nicht mal schauen, ob wir einen passenden Stoff haben, mit dem wir das kleine Trübsal da flicken können?“ Henk hob eine Augenbraue. „Was schwebt Karlchen denn da so vor?“ Koksi staunte ihn an. „Ich heiße doch Koksi, und nicht Karl. Jetzt mach schon, bevor es dunkel wird.“
Henk tauchte in die Stoff-Truhe und kam rasch mit einem schönen, dunklen Bouclé zurück. „Hier, Karlchen. Daraus kannst du einen schönen großen Flicken machen.“
felljacke_a-2Bruno sah die Mengen an Stoff und mischte sich ein: „Daraus kann er auch ein hoch modisches Zelt machen, in dem sich verschiedene Leute ausruhen können. Wenn mal wieder Stress auf der Fashion Week ist.“
„Wo ist Teddyz eigentlich?“, fragte Koksi, während er Henk den Stoff vom Rücken zog.
„Mit Sybille einkaufen. Sie hatte letztes Mal viel zu wenig Schokolade eingepackt, und deswegen hat er sich im Einkaufskorb versteckt.“
„Um sie zu …? Wo sie doch so leicht erschrickt!“ Koksi war wirklich entrüstet.
„Dann merkt sie es sich wenigstens“, murmelte Henk und zog mit Bruno zusammen den Stoff über den Tisch, Webkante rechts.
„Ja, toll, und dann lässt sie was fallen, tausend Scherben, sie wieder rein in den Markt, Tamtam, was für die Scherben holen – wann soll es denn Abendessen geben, deiner Meinung nach?“
Bruno nickte nachdenklich. Da hatte Koksi einen wunden Punkt angesprochen.
„Zeit genug haben wir dann ja. … Hm. Der Stoff genügt. Tippe ich. Jetzt leg mal die Jacke flach hin.“
Henk legte die Jacke flach hin. Koksi kam mit Seidenpapier angesprungen.
„Hier!“ Bruno griff das Papier und deckte den Bereich ab, den er zu flicken gedachte.
„Steck mal großzügig ab. Nahtzugabe und so.“
felljacke_a-3Koksi griff sich die Schachtel mit den Nadeln und legte los. Eine halbe Stunde später war er fertig.
„Also, selbst wenn es leben würde, käme das Papier nicht mehr von der Stelle, wenn es wollte.“ Bruno nickte anerkennend. Henk nickte auch, aber mehr aus allgemeinem Stolz auf Koksi.
„Und jetzt musst du markieren, Bruno!“
Bruno grinste und hob zum Spaß ein Bein – aber zu seinem Bedauern verstand niemand die Geste. Also griff er sich die Kreide und begann, die Naht, die er unter seinen Pfoten spürte, mit breitem Strich abzuzeichnen.
Henk wartete wieder geduldig, aber irgendwann wurde ihm langweilig und er holte von nebenan ein paar Kekse.
Als er zurückkehrte war Bruno fast fertig. Henk kletterte auf den Tisch um sich das Werk zu betrachten.
felljacke_a-9„Donnerwetter. Bist du sicher, dass wir mit Flicken dasselbe meinen?“
Bruno zuckte mit den Schultern: „Wo ich gerade dabei war… ich war so schön in Fahrt. Ey, pass auf die Krümel auf.“
„Hier steht Rücken. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das Loch einmal um ihn herum ging.“
„Der große Typ der hier wohnt mag es nicht, wenn man kleinlich ist. Da dachte ich, wir machen mal was etwas … Größeres.“
„Nun denn. Wenn du meinst. Und was kommt als nächstes?“
„Ich versäubere die Schnittkanten. Und dann wird gesteckt“, sagte Koksi.
„Schon wieder Stecken? Wieso heißt es eigentlich Nähen, wenn man die meiste Zeit damit beschäftigt ist, Nadeln irgendwo hinein zu rammen?“
„Keine Ahnung“, murmelte Bruno, während er mit der schweren Schere den Stoff an den Markierungen schnitt. Mit einem Stift beschriftete er danach die felljacke_a-10Papier-Vorlagen. Nur für den Fall. Nebenan hatte es sich Koksi schon an der Maschine eingerichtet. Seit einer Weile schon hatte er einen grauen Faden gewählt, eine Spule damit geladen und in der Maschine versenkt.
Dann ging’s los. Gefühlte zwei Kilometer lang knatterte die Maschine am Saum entlang, Koksi hielt den Stoff straff, versäuberte und drehte und schob, Kurve um Ecke – dann endlich: „Fertig! Wir können die Teile an die Jacke stecken!“ Henk rollte mit den Augen. Aber dann fasste er mit an, und zu dritt erklommen sie die Schneiderpuppe; die Einzelteile gespannt wie Segel zwischen eifrigen Matrosen. felljacke_a-11

„Oh nein!“ rief Koksi und schlug die Pfoten zusammen. „Ich habe die Nadeln vergessen. Ich muss nochmal runter.“
Er hangelte sich am Stoff herunter, griff nach der Schachtel und erklomm die Jacken-Takelage erneut. Nur fünfzig Nadeln brauchte es, die beiden Vorderteile mit dem Rückenteil zu verbinden.
„Trotzdem.“ Bruno rieb sich die Nase.
„Was trotzdem? Hast du noch nicht genug gesteckt? Möchtest du noch mehr stecken?“ Henk hielt ihm seine letzte Nadel hin, „hier, nimm nur. Na los, halte dich nur nicht zurück.“
„Nein, das ist es nicht. Mir fehlt noch etwas. Ein verbindendes Element.“
Koksi überlegte angestrengt. „Ich hab noch etwas rosa Litze. Soll ich sie holen?“
„Bloß nicht. Litze dauert ewig. Hast du noch Perlen?“ Der kleine Eisbär schüttelte betrübt den Kopf. „Ich würde ja gerne welche aus meinem Pelz zaubern, aber … – “ Henk klopfte ihm auf die Schulter: „Gut gesagt, Koksi, ich hab eine Idee!“
„Ach was. Was denn?“
Bruno und Koksi starrten Henk neugierig an.
„Na, Pelz!“

….

Weiter geht’s in Teil 2.